2. März 2018

Pole Dance trotz Hypermobilität?


Bisher hat mir fast jeder Orthopäde aufgrund meiner Hypermobilität davon abgeraten Pole Dance zu machen.

Hypermobilität bedeutet, dass die Gelenke (dazu gehören Sehnen, Bänder, Gelenkkapseln und Knorpel) nicht ganz stabil sind und sich infolge dessen oft über den „normalen“ Bereich hinaus bewegen lassen. Bei Frauen sieht man dies besonders häufig im Bereich der Ellbogen, was an sich nicht ungewöhnlich ist. Eine leichte Hypermobilität kommt laut meiner Physiotherapeutin sehr häufig vor. Ist die Hypermobilität allerdings ausgeprägter, muss man vorsichtiger mit seinem Körper umgehen.

Hypermobilität
Ein "normaler" Ellbogen im Vergleich
zu einem hypermobilen u. überstreckten

Wenn man hypermobil ist, ist es besonders wichtig alles aus der Kraft heraus zu halten und niemals in den Gelenken zu hängen. Ich habe leider schon oft davon gehört, dass ein Trainer empfiehlt, den Arm komplett durchzustrecken, wenn die Kraft noch nicht ausreicht. Der Trick Butterfly ist hierfür ein Beispiel. Dieser zweifelhafte Tipp ist grundsätzlich gefährlich, aber für hypermobile Menschen können daraus starke Schmerzen resultieren!  Der Ellbogen sollte hierbei immer ganz leicht gebeugt sein, sodass ihr euch mit der Kraft eurer Arme nach oben hin stützt. Wenn die Kraft dafür noch nicht ausreicht, dann sollte man die Finger von diesem Trick lassen. Das gilt natürlich nicht nur für diesen Trick, sondern grundsätzlich immer… Ich weiß, jeder von uns hat sich schon in Tricks hineingezwängt, die eigentlich noch eine Stufe zu schwer sind… Aber erstens sieht man das den gehaltenen Figuren dann oft an und zweitens fallt ihr schlimmstenfalls monatelang aus, weil ihr euch verletzt habt. Also: immer erst Kraft und Technik trainieren!

Griffkraft trainierenKomplett durchgestreckte Arme sieht man meistens, wenn den Unterarmen noch etwas Kraft fehlt. Gerade für hypermobile Menschen gilt also: Bevor ihr euch an solche Überkopf-Figuren wagt, sorgt dafür, dass eure Unterarme stark genug sind. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Ihr könnt so einen Powerball benutzen – ich habe so einen und kann ihn nur wärmstens empfehlen. Ihr könnt aber auch einfach kleine Gewichte oder eine Wasserflasche in jede Hand nehmen und dann damit eure Unterarme trainieren. Nebenbei trainiert ihr damit auch eure Griffkraft und die ist schließlich auch wichtig!

Starke Muskeln geben den Gelenken Halt!


Wenn ihr hypermobil seid, lasst euch nicht direkt von eurem Arzt entmutigen. Viele Ärzte sagen direkt, dass ihr keinen Sport mehr machen dürft. Natürlich ist es auch immer stark von euren Beschwerden abhängig, was geht und was nicht. Generell gilt aber: verpackt ihr eure Gelenke in feste Muskelpakete, sitzen diese stabiler. Zusätzliches Krafttraining ist also auf jeden Fall sinnvoll, um euren Schultern, Knien, Hüftgelenken, etc. mehr Halt zu geben.



Wenn ihr hypermobil seid und trotzdem nicht auf Pole Dance verzichten wollt, solltet ihr auf folgendes achten:

Hypermobilität & Pole Dance - Checkliste

  • Achtet auf starke Unterarme und Schultern – hier verbirgt sich oft die größte Verletzungsanfälligkeit
  • Achtet darauf eure Handgelenke gerade zu halten und eure Ellbogen niemals komplett zu (über)strecken
  • Sucht euch gute Trainer, die wissen, wie ihr eure Gelenke schützt. Ein Trainer, der stabile Gelenke hat, denkt vielleicht trotzdem ab und zu nicht daran, dass gewisse Bewegungen für jemanden mit hypermobilen Gelenken eine größere Herausforderung beziehungsweise ein größeres Verletzungsrisiko darstellen. Also erinnert eure Trainer ruhig daran. ;)
  • Hört auf euren Körper! Wenn sich etwas nicht gut anfühlt, lasst es. Fragt lieber nach, ob ihr es anders machen könnt. Wenn ihr Schmerzen habt, kämpft euch nicht durch den Schmerz hindurch. In vielen Situationen mag es passen, aber hierbei ist es kontraproduktiv. Sucht euch etwas anderes, an dem ihr arbeiten könnt – wechselt beispielsweise von tricklastigem Pole Fitness zu Exotic Pole Dance.
  • Seid geduldig! Baut langsam genug Stärke auf, um eure Gelenke zu unterstützen und nehmt euch Zeit, die Technik zu lernen

Auch hypermobile Personen können sich dehnen!

Jeder Orthopäde wird euch sofort mit schreckgeweiteten Augen anstarren, wenn ihr (als hypermobile Person) erklärt, dass ihr beweglicher werden wollt. Sie möchten am liebsten alles in Schienen und Tapes verpacken, sodass ihr eure Gelenke nur noch sehr eingeschränkt bewegen könnt. Klar, so ist die Gefahr, dass ihr sie zu weit bewegt, gebannt. Aber Dehnen kann, wenn ihr es richtig macht, trotz allem kein Problem darstellen und ist im Gegenteil sogar gesund! Ihr solltet euch natürlich niemals ruckartig dehnen und schon gar nicht weiter gehen, als es eure Muskeln zulassen wollen. Denn was ihr dehnt, das sind eure Muskeln und Faszien; nicht eure Gelenke oder Bänder - deren Länge ist genetisch festgelegt. Pole Mimi hat dazu auch einen Interessanten Blog Post geschrieben. 

Ich habe mich im Alltag mit meiner Hypermobilität arangiert


Ich persönlich habe durch die Hypermobilität ziemliche Probleme mit meinem Handgelenk. Deswegen trainiere ich regelmäßig sowohl meine Unterarme als auch meine Hände – leider ist das Handgelenk an sich ja nicht unbedingt von Muskelbergen umgeben. Deshalb achte ich sehr darauf, mein Handgelenk nicht stark zu belasten und es immer gerade zu halten. Handstände fallen für mich komplett weg, für Liegestütze etc. habe ich spezielle Griffe, damit ich auch dabei meine Handgelenke gerade (und somit stabil) halten kann. Am Arbeitsplatz im Büro nutze ich eine ergonomische Maus, um auch hier meine Hand und meinen Unterarm nicht zu verdrehen. Den Twisted Grip nutze ich beim Pole Dance nur äußerst selten.


Außerdem habe ich oft Schmerzen in meiner Hüfte, die durch langes Sitzen im Büro noch verstärkt werden. Darum habe ich bei der Physiotherapie einige Übungen gezeigt bekommen, die ich sowohl mit als auch ohne Geräte machen kann, um vor allem meinen Hüftbeuger zu stärken und ihn immer wieder zu dehnen.

Pole Dance ist ja zum Glück eine Sportart, die den Rücken sehr gut kräftigt. Da ich aber im unteren Rücken recht instabil bin, trainiere ich zusätzlich meinen unteren Rücken und Bauch.


Ich hoffe ihr lasst euch von den pessimistischen Aussagen à la "Hypermobilität und Sport?! Das geht nicht!" nicht entmutigen!




* Hinweis: Die Produkte, die ich in diesem Artikel nenne, empfehle ich euch einfach nur aus meiner persönlicher Erfahrung heraus. Ich wwerde dafür nicht bezahlt. 😊 [Unbezahlte Werbung]

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